Ein ganz gewöhnlicher Abend. Ich liege in meinem Bett, ein Buch über Persönlichkeitsentwicklung in den Händen. Seite um Seite tauche ich ein, lasse mich inspirieren, nehme neue Gedanken in mich auf. Doch am nächsten Tag scheinen sie verblasst, als hätte ich sie nie gelesen. Oder ich wende sie nicht an. Woche um Woche widme ich mich denselben Themen, auf der Suche nach Wachstum. Aber war all das vergebens?
Wir lesen viele Bücher, hören Podcasts, die uns inspirieren und auf unserem Weg unterstützen sollen. Doch trotz aller Weiterentwicklung stelle ich immer wieder fest, dass ich das Gelernte nicht so oft anwende, wie ich es mir wünsche. Tief in mir spüre ich jedoch den Drang nach Veränderung – auch wenn es nur kleine Schritte sind. Denn diese kleinen Veränderungen können Großes bewirken.
In den Büchern, die wir lesen, wird uns häufig Achtsamkeit nahegelegt. Wir sollen Ruhe und Gelassenheit in unseren Alltag integrieren. Lange Zeit habe ich den großen spirituellen Lehrern zugehört, habe morgens und abends meditiert. Doch was war dazwischen? Da hetzte ich durch meinen Alltag, als gäbe es kein Morgen.
Es hat eine Weile gedauert, bis ich meinen eigenen Weg gefunden habe. Ich dachte, dass ich erst spirituell bin, wenn ich eine bestimmte Morgenroutine etabliere, wenn ich zu jedem Neumond oder Vollmond ein großes Manifestations- oder Loslassritual durchführe. Ich setzte mich selbst unter Druck. Manchmal gab es nichts, was ich manifestieren wollte, doch ich tat es trotzdem. Denn wir kreieren und manifestieren jede Sekunde unseres Lebens – bewusst oder unbewusst.
Für mich habe ich herausgefunden, dass eine Meditation pro Tag ausreicht – und diese praktiziere ich abends, bevor ich ins Bett gehe. Ich habe auch erkannt, dass Routinen sich verändern dürfen. Oft halten wir uns an vermeintlich richtige Wege und haben Angst, etwas falsch zu machen. Doch in dieser Angst klammern wir uns an die Vorstellungen anderer, statt auf unser eigenes inneres Wissen zu hören und zu erkennen, was uns wirklich gut tut

Wenn wir Neues lernen, denken wir oft, dass wir es sofort perfekt beherrschen müssen. Doch nur weil wir etwas wissen, bedeutet das noch lange nicht, dass wir dieses Wissen sofort in unser Leben integrieren können. Das mag hart klingen, aber es ist die Wahrheit. Wenn wir Neues lernen, muss das alte System in uns Platz machen. Das braucht Zeit, und es ist ein Prozess. Wir dürfen uns diese Zeit gönnen – auch wenn es Jahre dauert. Der Weg, den wir gehen, ist genauso wichtig wie das Ziel.
Durch Umwege und Herausforderungen erfahren wir oft genau das, was uns wirklich weiterbringt. Wir bekommen Antworten auf Fragen, die uns vorher verborgen blieben. Wir dürfen lernen, langsamer zu werden, uns selbst nicht zu drängen und darauf zu vertrauen, dass alles, was wir lernen, irgendwann seinen Platz in unserem Leben findet. Die Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft, den ersten Samen zu setzen.
Solange wir uns selbst jedoch immer wieder verurteilen, weil wir das Gelernte nicht sofort umsetzen, hindern wir uns daran, voranzukommen. Wir landen in einem Teufelskreis und fangen wieder von vorne an. Aber das passiert nicht, weil wir es nicht können, sondern weil wir uns selbst blockieren. Wir sabotieren uns, weil wir uns innerlich als Versager sehen – besonders, wenn wir in der Vergangenheit Entscheidungen getroffen haben, die wir heute anders treffen würden.
Wir dürfen lernen, uns mit Mitgefühl und Geduld zu begegnen. Wenn wir aufmerksam zuhören, was wir uns selbst im Verlauf des Tages erzählen, entdecken wir die tiefen Glaubenssätze, die unser Handeln prägen. In diesem Erkennen liegt der wahre Schlüssel zu unserem Wachstum. Sobald wir beginnen, die Selbstsabotage sanft zu lösen, können wir das Erlernte auf natürliche Weise in unser Leben integrieren und die Idee loslassen, dass wir stets perfekt und vollkommen sein müssen.